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  • Sabine Stelczenmayr

ORF berichtet: Briten mit überraschenden Bahnplänen


Die Folgen der in den 1990ern erfolgten Bahnprivatisierung in Großbritannien treiben nun sogar die konservative Regierung zu erstaunlichen Maßnahmen:

Sie will noch diese Woche einen Teil der britischen Bahn wiederverstaatlichen. Northern ist am Schienennetz und an Zugsverbindungen gemessen der größte private Anbieter in Großbritannien. Die Services der zur Deutschen Bahn gehörenden Betreiberfirma Arriva seien „vollkommen inakzeptabel“, sagte Verkehrsminister Grant Shapps.

Northern übernahm 2016 den Betrieb des Bahnverkehrs im Norden Englands und versprach Investitionen von mehreren Hundert Millionen Pfund in neue Züge. Doch mit häufigen Zugsausfällen, Streiks, teuren Tickets, regelmäßigen Verspätungen und einer völlig verpatzten Fahrplanreform zog sich der Betreiber nicht nur die Wut der Fahrgäste auf sich, sondern lässt laut „Guardian“ die Regierung nun auch die Reißleine ziehen. Nach britischen Medienberichten musste der Staat dem Betreiber Hunderte Millionen Pfund als Förderung zuschießen.

Die neue britische Regierung will zudem einige Bahnstrecken wiedereröffnen, die in den 60er Jahren durch die große Beeching-Reform geschlossen worden waren. Damals wurden nach Plänen des Bahnchefs Richard Beeching Tausende Bahnkilometer und bis zu zwei Drittel aller Bahnhöfe stillgelegt. Rund 70.000 Menschen verloren durch die „Beeching-Axt“ ihren Job.

Eigentlich Labour-Forderung

Die Regierung von Premier Boris Johnson „belohnt“ damit vor allem jene Regionen, die bei der Wahl im Dezember nach Jahrzehnten von Labour zu den Konservativen gewechselt haben. Als eine der ersten Regionen soll Blyth Valley profitieren, das bei der Wahl zum Synonym dafür wurde, dass die Sozialdemokraten bei ihren ureigensten Wählerschichten nicht mehr gewinnen können.

Fast schon Ironie der Geschichte ist es, dass Labour-Chef Jeremy Corbyn die Wiederverstaatlichung der Bahn als einen zentralen Punkt in seinem Wahlprogramm hatte, der nun ausgerechnet von den Torys teilweise umgesetzt wird.

Zwar hieß es auch im konservativen Wahlprogramm, dass das derzeitige Franchise-System, bei dem Bahnregionen zeitlich begrenzt an private Betreiber vergeben werden, abgeschafft werden müsse – die Rede war aber von einem „einfacheren und effektiveren“ System und eigentlich nicht von Verstaatlichung. Allerdings wurde bereits 2018 die East Coast Line, die London mit Schottland verbindet, vom staatlichen Bahnunternehmen London North Eastern Railway übernommen.


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